Von den mindestens 50 bis 80 Jahre alten Reben der Monopol-Lage Pira.
Pira ist mit beinahe fünf Hektar Rebfläche Luca Roagnas’ größte Lage und zudem eine Monopollage. Von hier kommt sowohl der Langhe Nebbiolo, der Barolo – von den 40 bis 70 Jahre alten Reben – und der Vecchie Viti, von den ältesten Rebstöcken. Der Boden ist extrem komplex: zum Teil sandig mit Gesteinsbrocken, zum Teil blauer und grauer Mergel mit viel Eisen und Felsen. Von diesem Terroir kommen immer fantastisch elegante Weine.
Seitdem Luca 2010 seinen neuen Keller einweihte, kommen die Pira Trauben innerhalb von 1,5 Stunden aus dem Weinberg ins Fass. Schneller geht es wohl nirgendwo.
Die alten Reben werden von den vier erfahrensten Personen im Team gelesen – hier wird präzise und penibel gearbeitet – nur perfektes Traubengut kommt in den Keller. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten.
Der Unterschied des Pira Vecchie Viti zum normalen Barolo ist schon immens. Die Verschlossenheit im Vecchie Viti zeigt einen ganz anderen Wein. Wie ein Baukasten mit Legosteinen. Rechts, links, oben, unten – sauber definiert und druckvoll schiebend. Luca macht alle seine Cru-Lagen-Weine gleich: relativ späte Lese, denn die vollständige phenolische Reife hat bei Roagna einen wichtigen Stellenwert, um diese unglaubliche Finesse und die geschliffenen, feinen Tannine zu erreichen. Nach der Gärung bleibt der Trester zwei weitere Monate lang im Kontakt mit dem Wein, bevor er abgezogen wird. Im Anschluss folgen 5 Jahre Ausbau, davon mindestens drei Jahre in großen Garbelotto- Holzfässern, der Rest in Beton. Bei Garbellotto reift das Holz mindestens zehn Jahre bevor es in Weinfässer verwandelt wird, dadurch ist es mild und enthält keine bitteren Aromen mehr. Luca nutzt dennoch neue Holzfässer nur für seine Weißweine. Für die Roten steht der extrem langsame Austausch des Weins mit Sauerstoff im Vordergrund. Die Fässer sind 10 cm dick, also mehr als viermal so dick wie ein Barrique, dadurch ist die Oxidation eben extrem sanft und langsam.
Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Eine schwebend burgundische, ultra elegante, zugängliche, erdige Nase. Reife, saftig süße Erdbeeren und präzise rote Kirschen mit zart rauchigem Graphit, ätherischen, schwebenden, eingelegten Kräutern, Leder, Teer und gebackenem Ton. Der Wein ist zugleich steinig und mineralisch mit prominenten Aromen von salzigem Kalkstein, aber auch dieser wunderbar duftenden Herbstwald-Aromatik, verführerischen Rosenblüten und tiefer, vielschichtiger Würze, die sich ebenso schwebend über die rote Beerenfrucht des Weins legt. Im Mund offenbart dieser Pira Vecchie Viti viele präzise, geschliffene und ultra feine Tannine, die auch auf der Zunge auf salzig vibrierenden Kalkstein und knackige, rote Johannisbeere mit spannung übergehen. Die saftige dunkle Waldbeerenfrucht, reife Erdbeeren und rote Kirschen bauen darauf auf. Auch in seiner Textur erinnert dieser Wein an die Griffigkeit reifer roter Johannisbeeren. Im Nachhall bleiben Kräuternoten gemeinsam mit der roten Frucht und der zarten Würze, die in Wellen über die Zunge schwappt, sowie viel eisenhaltiger Mineralik auf der Zunge.
Die alten Reben bringen all ihre Dichte und Erfahrung mit. Der junge Wein wandelt sich von Minute zu Minute. Es ist eine schwer zu erfüllende Aufgabe ihn in Worten festzuhalten, die dem Wein auch gerecht werden. Luca Roagna kommentiert, dass diese Weine der alten Reben immer etwas mehr Luft benötigen. Diese zarte Tiefe hallt steinig und mit eisenhaltiger Mineralik im Mund nach. Ein großer Wein mit noch mehr Struktur als im Paje! Ein Barolo der Extraklasse.